Es weihnachtet im Erdinger Land. Auf den abgeernteten Feldern liegt der erste Schnee, kahl ragen die Äste der zweihundertjährigen Eichen, die Schloss Aufhausen zur Sempt hin säumen, in einen bleiernen Himmel Plötzlich durchbricht das Hufgetrampe und Schnauben von Pferden die Stille. Es sind Reiter, die da kommen, und eine prächtige Kutsche. Als der Tross anhält, entsteigt eine Dame der Prunkkarosse. Sie ist 43 Jahre alt, geboren als Tochter eines Kapitäns auf der Karibikinsel Martinique, und noch immer eine Aufsehen erregende Frau. Schwarze Locken umrahmen ein Gesicht dem Puder und Schminke die Farbe von Porzellan gegeben haben. |
Josephine Bonaparte |
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Ob Josephine Bonaparte tatsächlich in Schloss Aufhausen nächtigte, ist ungewiss; Quellen, die dies belegen könnten, sind nicht auffindbar. Der jetzige Besitzer von Schloss Aufhausen, Freiherr von Hammerstein, weiß von der Stunde, in der in seinem Anwesen der Mantel der Geschichte rauschte, rein gar nichts. Er steht vor dem Gebäudeteil, der das »Hochschloss« genannt wird, angetan mit ledernen Kniebundhosen, und blickt nicht ohne Wohlgefallen auf das Werk, das er geschaffen hat. Wenig ist noch so wie es war, bevor er hier einzog. |
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Seitlich angeschlossen eine Kapelle aus dem Jahr 1718, der heiligen Magdalena gewidmet, mit Figuren, die dem berühmten Landshuter Bildhauer Christian Jorhan aus der Straub-Werkstatt zugeschrieben werden. Und dann noch ein Labyrinth aus Quer- und Anbauten, in dem Stallungen, Werkstätten und Wohnungen untergebracht sind. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Aufhausen als Edelsitz schon im Jahr 788, zu Herzog Tassilos Zeiten, als Bären, Wölfe und Wegelagerer das Land unsicher machten. Seither haben viele berühmte bayerische Geschlechter auf dem Schloss Aufhausen gelebt: die Grafen Preysing, die Grafen Armannsperg, die Grafen Fugger sowie die Herren Schrenk zu Notzing, von Eisenreich, von Eglhof und von Auer. In der berühmten Beschreibung Bayerns von Wening wird Aufhausen beschrieben als »Schloß samt Mayerhof 1 Stunde (zu Fuß!) von der Stadt Erding auf einer Anhöhe über dem Flüßchen Sempt gelegen mit schönen großen Gärten, Feldern und Holz. Von der Sempt, eine Viertelstunde entfernt, wird das Wasser mittelst eines Turmes in lauter bleiernen Röhren in das Schloß hinauf geleitet. Die Hofmark hat gute Feldgrund und Heumatten und gesunde Luft, hat auch weder durch Feuer noch feindliche Verwüstung gelitten ...« (Zur Originalbeschreibung von Michael Wening) |
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Das »Hochschloss« selbst wird von Baron und Baronin von Hammerstein, einer Urenkelin des Bankiers von Froelich, der 1883 sein Augsburger Bankhaus in die neue Bayerische Vereinsbank einbrachte und deren erster Vorstandsvorsitzender wurde, bewohnt. Die jetzigen Besitzer nannten drei Antiquitäten-Geschäfte in München ihr Eigen, deshalb ist das Haupthaus mit erlesenem Geschmack, Barockmöbeln, wertvollen Gemälden und alten Kachelöfen bestückt. |
Christoph R. v. Froelich |
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